Betrachtungen zu Design und anderen Themen

Was soll Design machen?

 

In seiner Rubrik „Aufgespießt“ hat Gernot Schönfeldinger von der Zeitschrift Konsument. www.konsument.at. einen Brief an die Designer und Entwickler geschrieben. Er beschwert sich über die unbequeme Bestuhlung in den Pendlerzügen, rätselhafte Gerätebedienungen, den unnötig kompliziert zu öffnenden Verpackungen, Premiumdesign Editions…und er hat recht! So stellt sich eine Frage:

Was soll Design eigentlich sein?

 

Nageldesign, Verpackungsdesign, Webdesign, Produktdesign…. alles schöne Begriffe für schöne Sachen, die so herumschwirren oder? Design ist etwas Schönes für drinnen und draußen, las ich mal in der Zeitung. In der Öffentlichkeit wird der Begriff Design mit einer gewissen Oberflächlichkeit dargestellt. Man könnte dabei den Eindruck gewinnen, dass es sich dabei um etwas Beliebiges, schnell gemachtes handelt.

Design = Schnell und einfach was zeichnen

 

So könnte man eigentlich denken, dass das jeder machen könnte, warum braucht man ein jahreslanges Studium dafür? Im Gespräch mit Kunden heißt es manchmal:“ Machen Sie doch mal schnell eine Skizze“. Nun, wenn wir Designer etwas skizzieren wird es zwangsläufig schön. Auch wenn wir uns mit dem Produkt, den Anwendern gar nicht auseinandergesetzt haben.

 

 

Industrial Design als Problemlösung

 

Aber Achtung, ein schönes Produkt ist immer nur schön, nichts weiter. Das bringt dem Kunden nichts, es ist sogar absolut wertlos, auch ein talentierter 10-jähriger kann schön zeichnen. Das ist kein Qualitätsmerkmal, es sagt nur etwas über persönliche Vorlieben, den eigenen Geschmack aus.

Wir arbeiten hart daran die Produkte unserer Kunden zu verbessern, erfolgreicher zu machen. Eine Marke herauszubilden, den entscheidenden Unterschied zum Mitbewerber aufzuzeigen, den Widererkennungswert zu erhöhen. Wir helfen unseren Kunden auch Kosten zu sparen, zeigen wie es besser funktionieren kann u.v.a.m.

 

 

Design ist ein Qualitätsmerkmal

 

Wir meinen, dass es für die Arbeit eines Industrial Designers ein profundes Verständnis für das Kundenprodukt, die genauen Abläufe bis hin zum Anwender braucht. Ein Designer muss auch Technik & Konstruktion können, nur so können Fragen wie Anwender/Servicefreundlichkeit, Produktionskosten senken und mehr gelöst werden.

 

Design ist der Erfolgsfaktor

 

Wenn es professionell gemacht wird ist Design sicher mehr als nur hübsch machen. Es ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal, das den Nutzen eines Produkts aufzeigt und den wirtschaftlichen Erfolg erst möglich macht. Gutes unverwechselbares Design, dass Qualität kommuniziert, zum Verwendungszweck passt als die ultimative Kaufentscheidung. Wenn es nur professionell gemacht wird!

 

 

 

Christian Denk 13.05.2019

Industrialisierung ein Fluch? Design eine unnötige Marotte?

 

Ist nicht der Großteil aller industriell gefertigten Produkte unnötig? Vieles davon ist von vornherein dafür konzipiert um im Müll zu landen. Anderes Zeug kostet wieder viel Geld und macht auch nicht zufriedener. Die moderne Konsumgesellschaft hat scheinbar nichts Wichtigeres zu tun als den neuesten Modetrends nachzulaufen, das neueste Handy zu haben, und Besitztümer anzuhäufen, für die genau genommen andere durch Dumpinglöhne bezahlen müssen. Ist der technische Fortschritt also ein Fluch und die Möglichkeit schöne Dinge zu haben nur ein leerer Wahn?

 

 

Technologie ist ein Segen

 

Nicht die Sache ist schlecht, sondern der missbräuchliche Umgang damit. Die industrielle Revolution des 18. und 19. Jahrhunderts brachte Wohlstand, denn zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit waren Produkte, die sich sonst nur Reiche leisten konnten, auch für das gemeine Volk erschwinglich.

 

Technologisch hat die Menschheit seit damals immensen Forstschritt gemacht und Möglichkeiten entdeckt, von denen man noch vor 50 Jahren nicht zu träumen gewagt hat. Wir vergessen aber vor lauter Begeisterung über unsere Leistungen, wofür wir das alles tun: Genau genommen für die Milliarden Menschen, die ausreichende Mittel für ein erfülltes Leben erarbeiten wollen. Dieser Wunsch könnte für alle in Erfüllung gehen, denn Technologie macht es möglich.

 

Dazu braucht es aber Menschen, die gelernt haben nicht nur auf ihren, sondern auch auf den Vorteil  ihrer Mitmenschen zu achten, egal ob diese in der Nachbarschaft oder am anderen Ende der Welt leben: Habsucht, Armut, Ungerechtigkeit, Krieg und Terror verschwinden, sobald die Zentralen der wirtschaftlichen und politischen Macht die Grundsätze der christlichen Nächstenliebe anwenden, und die Bürger ihrem Beispiel folgen.

Dann ist Bildung für jedermann zugänglich und Studierende werden von kreativen Lehrern unterwiesen, die es verstehen, ihre Schüler durch packenden Unterricht zu Höchstleistungen zu motivieren. Aus gesunden traditionellen Familien kommen Kinder, die die Bereitschaft zum Lernen schon mit der Muttermilch einsaugen und begierig darauf warten, in den Schulen Neues zu erfahren.

 

Kulturell werden wir eine noch nie dagewesen Blüte erleben, da es um die Freude am Kreativ sein selber geht ohne sich um Geld Gedanken zu machen. Innovationen, gute Gedanken und Ideen werden gedeihen wie die Kirschen in der Sommersonne. Momentan ist es aber noch so, dass fast nur aus Gewinnstreben an diesen gearbeitet wird. Viele werden daher nicht realisiert, weil Firmen Angst haben ihre Reserven durch „gewagte Abenteuer“ zu verlieren. Die Folge sind solche Binsenweisheiten wie: „Wir brauchen keine neuen Ideen, denn unsere Kunden sind mit dem zufrieden, was wir machen“.

Schade, denn gerade neue Ideen sind der Motor, der alles treibt! Denken wir an Karl und Bertha Benz, die den Motorwagen zum Laufen brachten. Wegen ihnen haben wir Autos, ohne die in der modernen Welt nichts mehr laufen würde. Technologie hat also den allgemeinen Lebensstandard gehoben und ist eigentlich ein Segen!

 

 

Industriedesign ist Kultur

 

Dadurch, dass Maschinen die tägliche Arbeit erleichtern, haben wir Zeit, um uns mit den schönen Dingen des Lebens auseinandersetzen. Mozart war zu seiner Zeit eine Sensation, heute kann man auf YouTube fast jeden Tag ein anderes „Wunderkind“ jeden Alters bestaunen. Auch Leute wie-du-und-ich können sich dort mit ihrem Talent einem interessierten Publikum präsentieren und so mit weltbekannten Stars in Konkurrenz treten. Das hat es noch nie gegeben.

 

Gegenläufige Trends existieren, aber der moderne Mensch ist kulturbewusster geworden und hat eine relative hohe Erwartungshaltung entwickelt. Hat es vor 70 Jahren gereicht, dass ein Produkt seinen Zweck erfüllte, so muss es in unserer Zeit ein Design haben, um ernst genommen zu werden.

 

Industriedesign wie es im Fachjargon heißt, ist eine Art moderne Kunst, die untrennbar mit Technologie verbunden ist. Natürlich könnte man das nachfolge Modell eines i-Phone im selben Design machen, aber wie sollen dann die Kunden erkennen, dass da jetzt etwas Neues ist? Design macht Innovation also sichtbar. Davon abgesehen, Menschen lieben Abwechslung.

 

 

Design ist ein Bedürfnis

 

In vielen Bereichen verläuft die technologische Entwicklung nicht so dramatisch, und deshalb unterliegt man dort gerne der Versuchung, die Ästhetik zu ignorieren. Es gilt aber als Tatsache, dass von zwei gleich guten Produkten das besser aussehende genommen wird. Auch wenn die Geschmäcker verschieden sind, so liegt es in der menschlichen Natur, schöne Sachen haben zu wollen. Dieses Bedürfnis rückt immer weiter in den Vordergrund, je kleiner die Anstrengungen um das tägliche Brot sein müssen. Der Griff zum besser aussehenden Produkt ist also fast schon eine Automatik und zu sagen „unseren Kunden ist Design egal“ eine kurzsichtige Strategie mit der vielversprechenden Aussicht, im Laufe der Zeit, damit sauber auf die Nase zu fallen.

 

Ob man es wahrhaben will oder nicht: Design ist zu einem wesentlichen Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden und Ausdruck kultureller Identität. Man denke an die Coca Cola Flasche. Der Designer dieser kleinen bauchigen Flasche hat vor 100 Jahren eine Ikone kreiert, denn er hat ein Stück amerikanisches Lebensgefühl geschaffen. Auch wenn die rasante technische Entwicklung unserer Zeit Design immer kurzlebiger werden lässt, so ist das Ziel immer noch dasselbe: Freude am Augenblick und an den kleinen Dingen des Lebens zu vermitteln. Das ist kein leerer Wahn!

 

 

Michael Hirschmann 2018